Feinjustierung der Werkauswahl

Nach den vorbereitenden Übungen zum Ausstellungsaufbau widmeten sich die Schüler_innen wieder der Aufgabe der vorigen Sitzung, der Verfeinerung der Werkauswahl! Nach den Magazinbesuchen, wo zunächst alles was relevant erschien, gesammelt wurde, hatten sie nun zu entscheiden, welche der dann vorausgewählten über 200 Werke in die Ausstellung kommen sollen. Ziel ist es, die Auswahl auf insgesamt etwa 40 Gemälde, je nach Größe, zu beschränken.

Auch hier arbeiteten die Gruppen in den ursprünglichen Konstellationen zusammen. Im Vorhinein waren die Listen aus den Magazinbesuchen, mit den Notizen der Schüler_innen ausgewertet und den Abbildungen zugeordnet worden, bis jedes Bild eindeutig bestimmt war. Alle Werke wurden dann im A4 Format ausgedruckt und den jeweiligen Gruppen ausgeteilt. Jede Gruppe hatte eine Pinnwand, auf der sie die Bilder sortieren konnten, um eine guten Überblick zu behalten.

Während der Gruppenarbeit sollten die Schüler_innen sich an den 3 Kernfragen orientieren, die anhand der Analyse von Wolfgang Mattheuers Gemälde „Hinter den Sieben Bergen“ im ersten Teil der Sitzung vorgestellt worden waren:

  1. Was ist zu sehen?
  2. Woran denkt ihr dabei?
  3. Warum denkt ihr daran?

Zudem sollten sie immer auch für sich die Frage im Hinterkopf haben: Welche Relevanz hat das Gemälde für mich heute? Schon im Magazin fiel auf, wie unterschiedlich die Schüler_innen gemeinsam Entscheidungen treffen. Dies wiederholte sich bei der Werkauswahl. Wobei alle Gruppen damit anfingen, die Werke nach den gesammelten Unterkategorien zu ordnen. Anschließend diskutierten sie angeregt mit den erstaunlichsten Argumenten:

  • „Das sieht so richtig aus wie die DDR.“   
  • „Das passt nicht zu Leben und Alltag, weil es im Alltag in der DDR keine Meerjungfrauen gab.“
  • „Das ist so voll schön fein gemalt. “
  • „Genau so einen Kittel hat meine Mutter auch noch aus der DDR.“
  • „Wir haben schon richtig viel zu Arbeit. Wir brauchen da nicht noch mehr“

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Es fiel dann auch auf, dass verschiedene Gruppen dieselben Bilder ausgewählt hatten. Es musste also verhandelt und abgewogen werden … „das ist eigentlich viel mehr Mensch & Gefühle als Leben und Alltag“ – wobei die Grenze tatsächlich nicht immer scharf zu ziehen ist. Auch kam es vor, dass der Auswahl entsprechend Unterkategorien gestrichen, ergänzt und umbenannt werden mussten: „Irgendwie haben wir gar nicht so viel zu ‚Das Schöne in der DDR‘.“

Ein weiterer Arbeitsschritt, der anstehen wird und den wir dann in der Gruppe bereits angesprochen haben, ist die Präzisierung des Ausstellungs- und der Gruppentitel, die aussagekräftig und prägnant die verschiedenen Gemälde erfassen sollen, ohne allerdings zu schulisch oder gar einschränkend zu wirken. In Form eines kleinen Brainstormings wurde die Suche nach einem neuen Ausstellungstitel angegangen. Der aktuelle Titel DDR im Blickwechsel muss nicht zwangsläufig geändert werden, aber die Schüler_innen sollten sich darin wiederfinden und wurden angeregt, auch zu Hause noch einmal darüber nachzudenken, wie ihr Ausstellung genannt und beworben werden soll. Wir werden sehen …

Bildanalyse üben am Beispiel Wolfgang Mattheuers „Hinter den sieben Bergen“ (1973)

Nach der Raumbegehung machten wir einen Ausflug in die Dauerausstellung in der ersten Etage: Zuerst begingen wir die Räume, in denen Gemälde der für die Leipziger Malerei nach 1945 wichtigen Künstler wie Max Beckmann oder der Expressionisten und der Neuen Sachlichkeit hängen. Anhand von Wolfgang Mattheuers Gemälde Hinter den sieben Bergen aus dem Jahr 1973 übten wir gemeinsam in einem Gespräch, wie die Bildanalyse eines Gemäldes erfolgen kann.

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Vor Wolfgang Mattheuers Gemälde „Hinter den Sieben Bergen“ (1973)

Es ist eins für die Leipziger Malerei nach 1945 ikonisch gewordenes Kunstwerk. Wie im gesamten Projekt, fielen die von vornherein gewollten unterschiedlichen Perspektiven auch hier ins Gewicht: Während unsere Kunstvermittlerin Margret Rost dieses Bild schon seit Jahrzehnten kennt und es aufs Genaueste mit verschiedenen Gruppen betrachtet und diskutiert hat, sahen die Schüler_innen es vermutlich zum ersten (vielleicht – wenn sie in der ersten Sitzung gut aufgepasst hatten – zum zweiten Mal). Ich selbst nahm wieder eine andere Perspektive ein, da ich mich ihm als Studentin mit kunstgeschichtlichen Methoden und einer biographischen Distanz zur DDR nährte.

Dennoch ähnelten sich die Fragen von Margret Rost und mir sehr, als wir im vorhinein überlegten, wie wir das Gespräch strukturieren könnten. Während die Vermittlungsarbeiterin fragte:

  1. Was ist zu sehen?
  2. Woran denkt ihr dabei?
  3. Warum denkt ihr daran?

formulierte ich die klassischen Schritte nach der ikonographischen Methode von Panofsky: vorikonographische Beschreibung – ikonographische Analyse – ikonologische Interpretation. Gerade bei diesen Themen gibt es immer auch Diskussionspunkte, die methodisch unterschiedlich gehandhabt werden. In unserem Fall war es die Platzierung und Gewichtung der Biographie des Künstlers, die mal stärker, mal weniger stark ins Gewicht fiel.

Das Gespräch mit den Schüler_innen lief wunderbar! Trotz der nahenden Mittagspause hatten sie so viele gehaltvolle Ideen, dass wir das Gespräch zum Schluss sogar abbrechen mussten, um noch genug Zeit für die Werkauswahl zu haben.

Bei der Beschreibung konnten folgende Punkte festgehalten werden:

  • Eckdaten benennen
  • Bildgattung bestimmen
  • Vom Vorder- in den Hintergrund und vom Allgemeinen ins Detail arbeiten
  • Motive und Figuren beschreiben
  • Blickführung/Komposition berücksichtigen

Bei der Analyse verwiesen die Schüler_innen auf die unterschiedlichen Kontexte des Werks. Über die Beschreibung gelangten sie zu der Vermutung, die Autos würde aus „dem Tal der Ahnungslosen“ herausfahren. Selbst wenn die damit einhergehnde Verortung der Szenerie im Dresdener Umland nicht ganz zutreffend ist, kamen sie so auf die Idee, hinter den Bergen könne die Freiheit liegen. Begründet wurde diese Annahme unter anderem durch die Beobachtung, dass die untere Bildhälfte im Schatten liegt, während die Wiesen und Felder dahinter in der Sonne leuchten.

Die Allegorie der Freiheit – der Begriff Allegorie als bildliche Darstellungen eines abstrakten Begriffs musste natürlich erst ein Mal erläutert werden -, die sich über den Hügeln mit Luftballons und Blumen in den Händen erhebt, erinnerte die Schüler_innen nicht nur an die Freiheitsstatue, sondern sogar an das berühmte Gemälde von Delacroix, aus dem Mattheuer hier zitiert: Die Freiheit führt das Volk (fr.: La Liberté guidant le peuple) von 1830 (heute im Pariser Musée du Louvre). Da sich jenes Bild auf die französische Julirevolution von 1830 bezieht, wurden Mutmaßungen angestellt, ob auch Mattheuer beim Malen des Bildes eine Art Revolution im Sinn gehabt haben könnte. Da es aber 16 Jahre vor der Friedlichen Revolution in der DDR entstanden ist, musste ein Blick zurück geworfen werden: Ein kurzer Exkurs zur Geschichte des Prager Frühlings (1968) lieferte hier das historische Hintergrundwissen. Mattheuer arbeitete schon seit dem Herbst 1968 an diesem Motiv, welches sich direkt auf die Niederschlagung der Reformbewegungen in der Tschechoslowakei durch die Nationen des Warschauer Paktes bezieht. In jenem Jahr schrieb er selbst ein Gedicht welches von Frau Rost vorgetragen, den Schüler_innen neues Diskussionsmaterial lieferte:

„Hinter den Bergen spielt die Freiheit.
Hinfahren sollte man.
Sehen müßte man’s
mit eigenen Augen,
das Schöne;
die Freiheit spielt mit bunten Luftballons.
Und andere fahren hin mit Panzern und Kanonen – –
um nachzuschaun.
Und die Freiheit
spielt nicht mehr am Himmel:
dort schiebt der Wind die Wolken.“

Zudem wurden die Unterschiede zu der Liberté von Delacroix thematisiert. Luftballons und Blumen symbolisieren ganz andere Dinge als Bajonett und Nationalflagge. Eine Schülerin formulierte als Resumée überaus treffend: „Träume können auch zerplatzen wie Luftballons“.

Zahlreiche Fragen, die sich aus jenen Beobachtungen ergaben, wurden angeregt diskutiert: Wo besteht der Zusammenhang zwischen dem was ihr hier seht und dem historischen Kontext? Welche Haltung zu den Entwicklungen in der Tschechoslowakei wird zum Ausdruck gebracht? Was wird kritisiert? Wie verpackt Mattheuer seine Kritik?

Auf schwebenden Werbeschildern am Straßenrand, auf denen eine Kamera, eine Tischtenniskelle und ähnliches zu sehen sind, bilden kleine Silben auf den Schildern von links nach rechts das Wort „Eiapopeia“. Mattheuer bezieht sich hier auf Heinrich Heines Versepos „Deutschland ein Wintermärchen“. Wie die Schüler_innen dieses Zitat interpretieren ist in dem Video zu sehen:

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Obwohl wir bei der Analyse ganz konkret an dem einen Bild gearbeitet haben, ist zu hoffen, dass einige Erkenntnisse auch für die Werkauswahl hilfreich sein werden:

  • Eine detaillierte Beschreibung hilft immer weiter. Sie führt direkt zu den Spannungsfeldern im Bild
  • SYMBOLE und ALLEGORIEN erkennen: Manchmal stehen die Dinge auf den Bildern nicht nur für sich selbst, sondern für abstrakte Begriffe und Zusammenhänge
  • Im Fall dieser Ausstellung ist für die Werkauswahl besonders relevant, was der persönliche Bezug der Schüler_innen zu den Werken ist, da ihre Auswahl nicht auf Literaturrecherchen basiert.

Raum und Modell kennenlernen

Bei unserer fünften Sitzung am 27.10.2016 gewannen die Schüler_innen zunächst ein paar Einblicke in den Aufbau der Retrospektive des malerischen Werks von Sighard Gille. In den Räumen der Ausstellung „ruhelos“, die am 29.10.2016 eröffnet werden sollte, konnten sie erkunden, was alles noch zwei Tage vor einer Eröffnung passiert. Während ein Großteil der Werke schon an der Wand hing, standen hier und da noch Gemälde, deren Platz noch nicht endgültig bestimmt war, und im großen Saal Richtung Katharinenstraße arbeitete das Team Technik noch daran, das große Modell im Maßstab 1:6 von der Ausmalung des Gewandhauses, für das Gille berühmt wurde, an der Wand zu befestigen – ein logistischer Kraftakt, der selbst für die Verhältnisse des Museums bemerkenswert war.

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An den frisch gestrichenen Wänden wurden nebenbei die Beschriftungen angebracht, was zu spannenden Ideen bezüglich dem Einsatz von Schrift in unserer Ausstellung führte. Ähnlich ging es den Schüler_innen mit der Einladungskarte für die Eröffnung, schließen müssen sie auch an ihre Eröffnung denken und bald auch das Programm für den Abend gestalten, nicht nur das Aussehen der Karte!

Nach dem kleinen Vorgeschmack auf den eigenen Ausstellungsaufbau im März 2017 hatte die Gruppe Zeit, den Raum zu inspizieren, in dem ihre eigene Ausstellung stattfinden sollte. Im Augenblick ist dieser Raum noch unbenutzt, wird dieser doch bis zur Eröffnung der Ausstellung des Marion Ermer-Preises Anfang Dezember nicht bespielt wird. Da die sogenannten „Wolfsburger Wände“ für jede Ausstellung neu aufgebaut werden, liegt es an den Schüler_innen diese sinnvoll im Raum anzuordnen:

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Anhand eines Modells mit dem Verhältnis 1:25 konnten sie verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten für den Innenraum veranschaulichen. Schnell entwickelten sie selbstständig Fragen, die bei der Raumgestaltung eine große Rolle spielen:

  • Was brauchen wir für Wände?20161027_105802
  • Wie viel Platz haben wir für die Werke?
  • Wie bauen wir die Wände so auf, das alle vier Gruppen Platz haben, es aber nicht langweilig wird?
  • Haben die Besucher_innen dann noch genug Platz sich zu bewegen, auch wenn sie z.B. im Rollstuhl kommen?
  • Brauchen wir auch einen Bereich wo Werke hängen, die für die gesamte Ausstellung relevant sind?
  • Wo kann der Titel der Ausstellung angebracht werden?
  • Welche Wandfarbe wollen wir verwenden? Eher knallig oder eher gedeckt? Könnte jede Gruppe mit einer Farbe gekennzeichnet werden? Sollen die Farben auch zu den Bildern und Themen passen?

Da die vielfältigen Ideen mit dem Modell leider nicht vollständig umgesetzt und dokumentiert werden konnten, bekam die Gruppe die Aufgabe, sich zu Hause weiter Gedanken zu machen und diese in einem vom Museum zur Verfügung gestellten Grundriss zu dokumentieren.

All dies geschah unter dem wachsamen Auge des Direktors der 35. Oberschule, Herrn Haberkorn, der an diesem Tag an dem Projekt einen Besuch abstattete und sich von der Kreativität und konzentrierten Mitarbeit der Schüler_innen höchst beeindruckt zeigte.

Erste Vorauswahl beendet

Nach den beiden Magazinbesuchen wurden durch die Schüler_innen etwa 250 Gemälde für die vier Gruppen ausgewählt, die ihnen zusprachen und sinnvoll für ihre Themen erschienen. Nun geht es beim nächsten Termin darum, diese Auswahl zu verkleinern, zu präzisieren, die Bezüge untereinander mit Blick auf das Gruppenthema und die Gesamtaussage der Ausstellung herzustellen und sich auf eine Gesamtauswahl von etwa 40 Gemälden zu einigen. Uns steht noch ein langer Weg bevor, den wir aber sicherlich in einer offenen und kreativ-kritischen Diskussion mit Bravour meistern werden. Die Aufgabe für die nächste Sitzung: Vorauswahl der jeweiligen Gruppe revidieren und sich Gedanken zu den einzelnen Bildern machen, was sie heute noch mit der Lebenswelt der einzelnen Schüler*innen zu tun haben. Welche Aktualität, welche Relevanz und Bedeutung können diese Bilder aus einer anderen Zeit noch haben für junge Menschen heute?

Über 700 Werke in 2 Sitzungen – die Magazinbesuche

Nach dem die Themen festgelegt worden waren, gingen wir in die Magazine: vier große, sterile Räume, die links und rechts mit weißen Gitterwänden bestückt sind, auf denen dicht an dicht zahlreiche Gemälde hängen.

Auf die Frage, ob sie sich ein Magazin so vorgestellt haben, antworten die Schüler_innen unterschiedlich:

„Wir haben uns ein Magazin nicht so groß vorgestellt und das es mehrere Magazine gibt, eher kleiner mit weniger Bildern.“ (Luisa, gut & böse)

„Wir haben uns alle ein Magazin so vorgestellt.“ (Laura, Alltag & Leben)

Je 4 Schüler_innen mussten sich in Begleitung nun der Aufgabe stellen, aus einigen Hunderten von Werken jene auszuwählen, die zum Thema der Gruppe passten.

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Zu diesem Zweck waren zuvor noch einmal die einzelnen Stichpunkte zusammengefasst worden, die zu dem Thema gehörten: Porträt, Liebe, Familie, Kindheit/Jugend und Gemeinschaft bildeten zum Beispiel das Thema Mensch/Gefühle. Außerdem gab es lange Listen, auf denen – nach Wänden sortiert – sämtliche Werke aus DDR Zeiten aufgelistet waren. Fehlte doch eins musste es fotografiert und auf einer anderen Liste vermerkt werden. Jede Gruppe hatte eine_n Protokollant_in und eine_n Fotograf_in, die für die sorgfältige Dokumentation zuständig waren.

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Luise beschreibt die Arbeit in der Gruppe gut & böse: „In unserer Gruppe läuft alles gut, jeder arbeitet mit und alle sind sehr interessiert. Jeder hat seine Aufgaben und die halten auch alle ein. Über ein Bild wird auch manchmal diskutiert.“

Doch wie genau sollte entschieden werden welches Bild passt und welches herausfällt? Im Vorhinein waren wir davon ausgegangen, dass der Prozess viel Zeit in Anspruch nehmen und wilde Diskussionen mit sich bringen würde, doch wir wurden überrascht!

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Mit kreativen Auswahlmethoden, die von demokratischen Abstimmungen über die thematischen Bezüge, bei der auch  Berücksichtigung von Größe und Wohlgefallen beachtet werden, bis hin zu Schnick-Schnack-Schnuck alles erdenkbare abdeckten, arbeiteten sich die Schüler_innen mit höchster Konzentration und Mut zu klaren Entscheidungen in hoher Geschwindigkeit durch den Bestand an  Kunst der DDR-Zeit.

Nach insgesamt 8 Stunden waren etwa 200 Werke als erste Vorauswahl beisammen, die nun in der engeren Auswahl nochmals gesichtet werden müssen. Jetzt beginnt die Feinjustierung …

„Aus unserer Sicht ist das Magazin sehr gut verlaufen, bei uns wurde auch jeder gefragt, wenn es um ein Bild ging, was wir vielleicht mit in die Auswahl nehmen wollten, also bei uns lief es geregelt ab. […] Uns hat es echt viel Spaß gemacht!“ (Laura, Alltag & Leben)

 

Internetlinks

Hier findet Ihr Verweise auf Websites zur Kunst der DDR und zur DDR-Geschichte, wie zum Beispiel den Bildatlas Kunst in der DDR mit einer sehr gut gemachten Zeitleiste, vielen Einzelanalysen von Kunstwerken und Themenfeldern, biografischen Angaben zu Künstlern und vieles mehr!

Oder das Kapitel Geteiltes Deutschland bei LeMo – Lebendiges Museum Online vom Haus der Geschichte, Bonn und dem Deutschen Historischen Museum, Berlin zusammen erarbeitet. Das Haus der Geschichte führt in Leipzig, der Stadt der großen Demonstration vom 9. Oktober 1989, die  Zweigstelle Zeitgeschichtliches Forum.

Auch bei der Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn/Berlin, gibt es ausführliche Informationen zur Deutschen Teilung,  zum Mauerbau, zur Staatssicherheit (Stasi) und zu vielen anderen Aspekten der DDR. Dort auch kleine Filme zu 60 Jahre Deutschland (1949-2009). Für den Schulunterricht stellt die Bundeszentrale ebenfalls viele Materialien bereit, die Euch interessieren könnten!

Die Bundesstiftung Aufarbeitung bietet neben Materialien für die Schule auch ein Online-Portal mit Zeitzeugen zur DDR-Geschichte, direkte Erfahrungen des Alltags und des Lebens in der DDR.

Der MDR biete eine Zeitreise durch den Alltag in der DDR, mit Texten, Bildern und Filmen.

Spielfilme über und aus der DDR

Westen, 2013, von Christian Schwochow


http://www.spiegel.de/kultur/kino/westen-kinodrama-mit-joerdis-triebel-von-christian-schwochow-a-959242.html

 

Hunger auf Leben, 2004, Markus Imboden

Interview zum Film: http://www.zeit.de/2013/31/martina-gedeck-brigitte-reimann

Eine filmische Biografie über Brigitte Reimann von 2004

 

Westwind, 2011, Robert Thalheim

Artikel zum Film: https://www.welt.de/kultur/kino/article13560211/Zwillingsschwestern-in-der-DDR-und-eine-West-Liebe.html

der vollständige Film ist auch auf Youtube zu finden: https://www.youtube.com/watch?v=me7dndmoj5Y

 

Als wir träumten, 2015, von Andreas Dresen

nach dem gleichnamigen Buch von Clemens Meyer

Zeit-Artikel: http://www.zeit.de/2015/09/als-wir-traeumten-andreas-dresen

siehe auch http://www.alswirtraeumten.de/

Der Turm, Christian Schwochow, 2012

(nach dem gleichnamigen Buch von Uwe Tellkamp)

Artikel auf Spiegel-Online: http://www.spiegel.de/kultur/tv/rezension-der-ard-verfilmung-von-uwe-tellkamps-der-turm-a-858981.html

hier ist der vollständige Film auch auf youtube zu finden:

Teil 1: https://www.youtube.com/watch?v=GL5d65GkGyU

Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=rY1nr8hcCOE

 

Die Taube auf dem Dach, 1973, von Iris Gusner

 

Artikel in der Welt: https://www.welt.de/kultur/article9451897/Die-Taube-auf-dem-Dach-kommt-endlich-ins-Kino.html

Die Legende von Paul und Paula, 1972, von Heiner Carow

Spur der Steine, 1966, von Frank Beyer

Romane zur DDR

Marion Brasch, Ab jetzt ist Ruhe! (2012)

https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/81GblQNSR3L.jpg „Ab jetzt ist Ruhe“ dieser Spruch, den die unruhigen Kinder mit ihrer Mutter aufsagten und der sie in den Schlaf geleiten sollte, liegt wie ein Motto über dem Familienroman von Marion Brasch. Die jüdischen Eltern, die sich im Exil in London kennenlernten, gründeten die Existenz ihrer jungen Familie in Ostberlin, wo der Vater nach dem Krieg seine Ideale als Politiker verwirklichen wollte. Die drei Söhne zwei davon wurden Schriftsteller, der mittlere Schauspieler revoltierten gegen die Autorität der Vätergeneration und scheiterten an der Wirklichkeit, während die kleine Schwester Versöhnung und Ausgleich suchte und oft genug damit an Grenzen stieß, auch an die eigenen.

Eine spannende Rezension gibt es in der Frankfurter Allgmeinen Zeitung

 

 

 

Dorit Linke, Jenseits der blauen Grenze (2014)

„Der Roman spielt in den letzten Jahren der DDR. Hanna, vor allem aber ihr Freund Andreas, hat durch nicht systemkonformes Verhalten die Möglichkeiten eines Lebens nach eigenen Vorstellungen verloren. Kein Abitur, kein Studium, stattdessen die zermürbende Arbeit in einem Dieselmotorenwerk. Dann lieber die Flucht in den Westen, 50 Kilometer durch die Ostsee, weil Hanna, wie die Autorin selbst, Leistungsschwimmerin ist und sich zutraut, Andreas mitzuziehen. Dorit Linke hält sich nicht mit erklärenden Einleitungen auf, vom ersten Satz an ist man mitten in dieser ungewöhnlichen Fluchtgeschichte. In intensiven Schilderungen werden Kälte, Dunkelheit und Orientierungsschwierigkeiten, ebenso körperliche Beschwerden wie Krämpfe, Luftknappheit, Hunger und Müdigkeit auch für die Leser fast körperlich erfahrbar. Schwimmend erinnert sich Hanna an die Geschehnisse, die zur Flucht geführt haben. In diesen Rückblenden schildert Linke glaubwürdig eine DDR-Jugend zwischen Resignation und Aufmüpfigkeit. Trotz der Dramatik der Ereignisse finden sich viele Episoden voller Sprach- und Situationskomik. Durch diese Erzählweise gewinnt der für heutige Jugendliche schon historische Roman eine gute Lesbarkeit und hält den großen Spannungsbogen bis zum Schluss, der die Empfindungen der Protagonistin in „gebrochener“ sprachlicher Gestaltung wiedergibt.“

(http://www.djlp.jugendliteratur.org/jugendbuch-3/artikel-jenseits_der_blauen_grenz-4008.html)

 

Brigitte Reimann, Ankunft im Alltag (1961)

http://static.tauschgnom.de/img/products/cee/352/470429/9dd0475d8d5a31fdea017899f020e6a8ankunft-orig.jpg„Die 1961 im Verlag Neues Leben erschienene Erzählung Ankunft im Alltag erzählt die Geschichte der Abiturienten Nikolaus, Recha und Kurt, die vor ihrem Studium ein Jahr nach Hoyerswerda gehen, um hier aktiv den Aufbau des Kraftwerks Schwarze Pumpe zu erleben. Bald in eine typisch Reimannsche Dreiecksbeziehung verstrickt, versuchen sie sich in unterschiedlicher Weise in ihrer neuen Umgebung zu behaupten. Die Erzählung galt als Musterbeispiel für die Umsetzung des Bitterfelder Wegs* in der Literatur. Ihr sollten eine ganze Reihe an Romanen und Erzählungen verschiedener Schriftsteller folgen, die sich in ähnlicher Weise mit dem sozialistischen Alltag auseinandersetzten. Diese wurden in Anlehnung an den Titel unter dem Begriff der ‚Ankunftsliteratur‘ zusammengefasst. Ankunft im Alltag erhielt 1962 den Literaturpreis des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes“

(http://www.brigittereimann.de/werk_alltag.php)

 

 

Brigitte Reimann, Ich bedaure nichts (Tagebücher 1955-1963)

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„“Ich habe zu früh Erfolg gehabt, den falschen Mann geheiratet, in den falschen Kreisen verkehrt; ich habe zu vielen Männern gefallen und an zu vielen Gefallen gefunden.“ – ihr Leben, welches Brigitte Reimann hier kurz vor ihrem Tod in einem Brief an Veralore Schwirtz in einem Satz zusammenfasst, liest sich in Ich bedaure nichts fast wie eines ihrer Bücher selbst, wie ein Roman. Da sie alle früheren Notizen verbrannte, setzen die Tagebücher erst 1955 ein. Zu diesem Zeipunkt beginnt Reimann gerade, sich von ihrem ersten, ‚falschen‘ Ehemann zu trennen und lernt den Schriftsteller Siegfried Pitschmann kennen. Des Weiteren erfährt man mehr über die Entstehung ihrer ersten schriftstellerischen Erfolge Die Frau am Pranger und Die Kinder von Hellas und erhält einen Einblick in den Alltag in der DDR der 1950er und 60er Jahre.“

(http://www.brigittereimann.de/werk_alltag.php)

 

 

Brigitte Reimann, Franziska Linkerhand (1998)

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„Dieser große Roman über eine junge, lebenshungrige Architektin, die sich im Braunkohle-Kombinat Neustadt mit dem sozialistischem Alltag auseinandersetzt, blieb unvollendet. Während der Arbeit am 15. Kapitel wurde Brigitte Reimann im Januar 1973 ins Krankenhaus Berlin-Buch eingeliefert und verstarb an einem Krebsleiden . Wahrscheinlich stand sie kurz vor dem Abschluß des Buches.
Der Roman, der mit den vollständigen Kapiteln schon hunderte Seiten umfasste, wurde posthum, vor allem auf Initiative von Schriftstellerkollegen (u.a. Christa Wolf) 1974 im Verlag Neues Leben veröffentlicht.“

(http://www.brigittereimann.de/werk_linkerhand.php)

 

 

 

Christa Wolf, Der geteilte Himmel (1963)

„Eine Auseinandersetzung mit den Jahren der deutschen Teilung.

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Ende August 1961: In einem kleinen Krankenhauszimmer erwacht Rita Seidel aus ihrer Ohnmacht. Und mit dem Erwachen wird auch die Vergangenheit wieder lebendig. Da ist die Erinnerung an den Betriebsunfall und vor allem die Erinnerung an Manfred Herrfurth. Zwei Jahre sind vergangen, seit sie dem Chemiker in die Stadt folgte, um an seiner Seite und mit ihm gemeinsam ein glückliches Leben zu beginnen. Wann hat die Trennung begonnen? Hat sie die ersten Anzeichen einer Entfremdung übersehen? Denken, Grübeln, Fiebern – Tage und Nächte hindurch! »Ich gebe Dir Nachricht, wenn Du kommen sollst. Ich lebe nur für den Tag, da Du wieder bei mir bist.« Manfred ist von einem Chemikerkongreß in Westberlin nicht zurückgekehrt in dem festen Glauben, daß Rita ihm folgen wird. Sie muß eine Entscheidung treffen, die sie in eine tiefe Krise stürzt.“

Durs Grünbein, Die Jahre im Zoo (2015)

In einem Buch voller Geschichten, Verse und seltener Fotografien zeigt sich Durs Grünbein von der autobiografischen Seite. Doch greift er weiter zurück, dorthin, wo das 20. Jahrhundert in frühen Konturen sichtbar wird. Von Hellerau, der Gartenstadt am Rande Dresdens, strahlt damals ein Lebensreformprogramm weit über die Grenzen eines Vororts hinaus. Für Grünbein wird sie zum Ausgangspunkt, zu einer Stätte von prägender Kraft für den eigenen Lebensweg. Und so entsteht das Bild seiner Kindheit – am Rand der Geschichte in den langen Sommern des Kalten Krieges. Freundschaften und frühes Leid, schulische Erfahrungen und erste Lektüren, Lieblingsspielzeuge, (Berufs-)Träume, Phantasien und Phantasmen entfalten sich in einem farbenreichen Kaleidoskop aus autobiographischer Prosa, Poemen, Reflexionen und, nicht zuletzt, vielen Funden aus der reichen Bildersammlung des Dichters.

Die Themenfindung

Bereits in der Woche zuvor hatte ein erstes Brainstorming einige Ideen zu Papier gebracht. Nun war es an der Zeit diese Themen gemeinsam zu ordnen und zu ergänzen, sodass am Ende vier Gruppen mit je einem Thema, fokussiert im Magazin nach den passenden Werken suchen konnten.

Ziel war, die Gruppe so etwas zu entzerren, um ein konzentrierteres Arbeiten möglich zu mache. Außerdem scheint es mit Hinblick auf die Ausstellungsgestaltung unumgänglich, das große Thema „DDR“ zu untergliedern.

Sämtliche Ideen und Vorschläge wurden auf einzelne Zettel geschrieben und anschließend in vier Gruppen sortiert. Auf farbigen Zetteln wurden daraufhin „Titel“ für die Gruppen festgehalten: „ALLTAG/ LEBEN“; „NATUR/ UMWELT“; „GUT/BÖSE“; „MENSCH/ GEFÜHLE“

Diese Begriffe sind bisher gewiss etwas vage und allgemein, erfahren aber im Laufe des Arbeitsprozesses bestimmt noch eine Zuspitzung.

Nachdem die Themenblöcke einmal zusammengestellt waren, ging die Zuordnung der Schüler_innen ganz schnell. Dennoch steckte einiges an Überlegung dahinter, wie in den Statements der Schüler_innen zu sehen ist.

„[…] ich fand es ehrlich gesagt sehr schwer mich auf ein Thema zu beschränken, da es ganz viele interessante Themen gab, wie zum Beispiel die Wohnung und Kleidung was die Leute damals hatten und was wir im jetzt haben. Aber ich fand auch das Thema toll Menschen und deren Gefühle, denn es gab welche, die sich unterdrückt gefühlt haben und es gab welche für die das normal war, die es nicht anders kannten. Die ganzen Hintergründe finde ich am spannensten.

Wieso malen Menschen diese Dinge?! Müssen sie es malen oder malen sie es freiwillig?! Was soll rüber kommen mit den Bildern, welche Gedanken haben sie?! Deswegen bin ich sehr glücklich in der Gruppe Mensch und Gefühle zu sein :))“ (Denise)

„Wir wollten in die Gruppe Alltag und Leben, weil wir das am spannendsten fanden  und Landschaft oder die anderen Themen uns nicht angesprochen haben. Es ist auch ein Thema, wo man am meisten darüber weiß, also wie die Leute früher gewohnt haben oder wie die Schule früher war. Außerdem wussten wir, dass wir dazu sehr viele Bilder finden.“ (Laura)

„Wir sind auf das Thema gut und böse gekommen, weil wir den Kontrast zeigen wollten von Freiheit und Unterdrückung. Da es viel Glück gab und Freiheit, aber auch das es nicht überall so fröhich war.“ (Luisa)

 

Was war eigentlich die DDR? – inhaltliche Vorbereitung auf die Themenfindung

Schüler_innen, die zuvor erst wenig Kontakt mit dem Thema DDR hatten, selbstständig eine Ausstellung dazu organisieren zu lassen, kann durchaus als gewagt bezeichnet werden. Wie kann in ein bis zwei Sitzungen vermittelt werden, was von 1945 bis 1990 im Osten Deutschland wie und warum passiert ist? Welche Strukturen haben zu welchen Entwicklungen geführt?

Ein einführender Vortrag mit den wichtigsten Eckdaten in der ersten Sitzung bot einen grundlegenden Einblick – führte aber noch nicht zu Begeisterungsstürmen der 16-jährigen.

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Was war eigentlich die DDR?“ nicht zuletzt um Zeit zu sparen, aber auch um den Schüler_innen einen persönlichen Zugang zu dem Thema zu verschaffen, forderten wir sie nach der ersten Sitzung im Sinne der Oral History dazu auf diese Frage mit ihren Eltern und Großeltern zu diskutieren. Das führte eine Woche später zu erstaunlichen Ergebnissen!

 

 

 

 

Die nächste Frage lautete: In welchem Zusammenhang standen Kunst und Politik in der DDR?: Nach einer kurzen Einführung in die Methode der Bildbeschreibung und einem kleinen Input-Vortrag über wichtige Strömungen in der DDR, hatten die Schüler_innen Zeit sich in verschiedenen Ausstellungskatalogen und Fachbüchern selbstständig zur Kunst der DDR zu informieren, um sich einen eigenen Überblick zu verschaffen. Zur Vertiefung sollten sie zu Hause den bestimmt nicht ganz einfachen Text „Die DDR-Kunst im Kontext von Geschichte, Politik und Gesellschaft“ von Uta Grundmann lesen. Dieser gab einen Überblick über die Entwicklung der wichtigsten Gremien, Institutionen und kulturpolitischen Entwicklungen in der DDR. Auch wenn zahlreiche Begriffe und Formulierungen schwerverständlich sind, vermittelt der Text die Komplexität des Spannungsverhältnisses von oppositioneller und staatstragender Kunst in der DDR.

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In Vorbereitung auf die Themenfindung in der nächsten Stunde und zur Dokumentation der Ergebnisse baten wir die mit neuem Wissen vollgepumpten Schüler_innen am Ende der zweiten Sitzung eine erste Sammlung an Themenvorschlägen zu erarbeiten. Die Frage lautete hier: Was sind eurer Meinung nach wichtige Themen in der Kunst der DDR?

Zwar gab es am Ende der Sitzung noch immer viele offene Fragen und ungeklärte Begriffe, doch um diese zu aufzugreifen, bieten sich in den nächsten Monaten gewiss noch genug Möglichkeiten. Und vielleicht bringt ja auch die intensive Auseinandersetzung mit der Kunst selbst Klarheit in die Zahlen und Fakten des Entstehungskontextes. So entschlossen wir uns den Sprung ins kalte Wasser der Magazine zu wagen.